Ein wertvolles Getreide durch traditionelle Wissensweitergabe bewahrt

Hand mit Teff-KoernernEin äthiopisches Getreide dessen Sortenvielfalt auf traditioneller Wissensweitergabe gründet und jüngst Opfer von Biopiraterie wurde.

Ein wertvolles Getreide durch traditionelle Wissensweitergabe bewahrt

Kleines Korn von großem Wert

Hand mit Teff-Koernern

Teff ist ein über 5000 Jahre altes äthiopisches Kulturgetreide. Da seine Samenkörner sehr klein sind, wird der gesamte Samen verarbeitet. Teff hat einen hohen Eisen- und Calciumgehalt. Das Getreide kann sowohl auf sehr trockenen als auch auf nassen Böden angebaut werden. Seine Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlingsbefall ist gering. Auf Grund dieser Eigenschaften wird Teff ein hohes Potential zur Verbesserung der Nahrungsmittelsicherheit armer BäuerInnen in Regionen mit wechselhaften Witterungsbedingungen zugesprochen.

Grundnahrungsmittel in Äthiopien

Injera-Backen

In Äthiopien ist Teff das am weitesten verbreitete Getreide und ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Das meiste Teff wird zu Brei oder dem zunehmend auch in Europa populären Fladenbrot Injera verarbeitet. Für letzteres wird ein Teig aus Teff-Mehl und Wasser angesetzt, der einige Tage gären muss und dann auf Tonplatten gebacken wird.

Vorteilsausgleichsvereinbarungen und indigenes Wissen
Teff-Gras Kollektives Wissen wird in vielen indigenen Gemeinschaften von Generation zu Generation weitergegeben. Das Wissen gehört niemandem, daher kann auch keine Einzelperson ein Recht beanspruchen, es zu verkaufen. Zudem ist für viele indigene Völker der Wert ihres traditionellen Wissens nicht in Preisen ausdrückbar. Wenn solches Wissen einer Vereinbarung zum Vorteilsausgleich unterworfen wird, wird es zu einem handelbaren Gut und verliert damit seinen spezifischen Charakter als kollektives und frei verfügbares Wissen. Hier stoßen zwei Kulturen aufeinander.

Freier Tausch und Nachbau

In Äthiopien existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Teff-Sorten. Die Farbe der Körner reicht von weiß über rot und hellbraun bis nahezu schwarz. Am robustesten sind die roten und braunen Samen, die zugleich auch das reichhaltigste Aroma aufweisen. Diese Sortenvielfalt konnte entstehen und bewahrt werden, weil die BäuerInnen seit Jahrhunderten einen freien Tausch und Nachbau ihres Saatguts praktizieren. Bei Verwendung von Saatgut , dass durch Patente geschützt ist, wäre eine derartige Landwirtschaft nicht möglich.

Gerechte Entlohnung für traditionelles Wissen...

In Europa wird Teffmehl derzeit ausschließlich von dem niederländischen Unternehmen Soil & Crop Improvement vermarktet. Soil & Crop hat mit der äthiopischen Regierung, vertreten durch das IBC (Institute for Biodiversity Conservation) und die EARO (Ethiopian Agricultural Research Organisation) eine so genannte Vorteilsausgleichsvereinbarungen abgeschlossen. Für die Nutzung der überlassenen Teffsorten zahlt Soil & Crop dem IBC jährlich 30 % des Nettoerlöses aus dem Verkauf von zertifiziertem Saatgut sowie 10 Euro pro Hektar Anbaufläche. Zudem zahlt das Unternehmen 5 % des Nettogewinns aus dem Verkauf von Teff-Produkten an einen Fonds zur Förderung bäuerlicher Gemeinschaften in Äthiopien. Teff ist damit eine der ersten genetischen Ressourcen Afrikas, für die das Ursprungsland von einem westlichen Konzern am mit seiner Nutzung erzielten Gewinn beteiligt wird.

... oder Biopiraterie?

2004 erhielt die niederländische Soil & Crop von der kanadischen NGO ETC-Group den Captain Hook Award für die ‚abscheulichste Biopiraterie des Jahres’ verliehen. Grund der Negativ-Auszeichung: Soil & Crop hatte versucht in Europa Patente auf mehrere äthiopische Teff-Varianten anzumelden. Auch die spätere Vereinbarung des Unternehmens mit der äthiopischen Regierung bewertet die ETC-Group als höchst ungerecht. Zwar sichert sie äthiopischen Bauern eine freie Nutzung auch von neu entwickelten Teff-Sorten zu. Zugleich untersagt sie jedoch jeglichen Export von Teff für Mehl und weitere Produkte, die Soil & Crop selbst vertreibt.