Wandbild COOPSolidarische Ökonomie erfährt viele Grenzen. Oft leiden die Gemeinschaftsbetriebe an Kapitalmangel und können sich gegenüber großen Konzernen im Markt nur in bestimmten Nischen durchsetzen. Auch die sozialen und gruppendynamischen Probleme können eine ernstlich gefährdende Dimension annehmen. Gerade in der Aufbauphase – nach der ersten Begeisterung – kann es zu eine Überforderung und Desillusionierung kommen. Vor allem aber lassen sich nicht alle gesellschaftlichen Probleme sinnvoll durch Einzelprojektlösungen beheben.

Oft bedarf es einer anderen Politik und weniger Korruption, um Verbesserungen für weite Bevölkerungsteile zugänglich zu machen. Die Gefahr besteht darin, dass erfolgreiche Projekte letztlich den Rückzug des Staates aus seiner Verantwortung für soziale Rechte legitimieren. Oder sie werden als willkommene Puffer für ökonomische Schocks angesehen.

Ökonomische Chancen, ...

Zunächst schaffen die Projekte beachtliche ökonomische Leistungen. Die Zahlen von Cecosesola sind hier sehr anschaulich. Leider gibt es kaum brauchbare aktuelle Untersuchungen über den internationalen Umfang von Solidarischer Ökonomie, bzw. zur deren Ausmaß in den sogenannten Entwicklungsländern’. Dies hängt sicherlich auch damit zusammen, dass von Land zu Land unterschiedliche Begriffe und Konzepte zu diesem Themenfeld vorherrschen. Ein Teil des ‚Sektors’ muss außerdem eher der informellen Ökonomie zugeordnet werden. Die Zielsetzung viele Arbeitsplätze mit guten Arbeitsbedingungen zu schaffen, ist jedenfalls oft Antrieb und einer der wichtigsten Erfolge, wie das Beispiel der Nähkooperative zeigt. Teilweise kommt es in den Betrieben zu neuen Produktionswegen oder Produktinnovationen (wie bspw. Öko-faire Kleidung für eine jugendliche Käuferschicht) und sehr oft zu Innovationen auf der organisatorisch-strukturellen Ebene.

...gesellschaftlich-kultureller Wandel...

Viele AkteurInnen der Solidarischen Ökonomie betonen die Bedeutsamkeit solidarischen Wirtschaftens für kulturellen Wandel, d.h. andere Umgangsformen, gemeinschaftlichere Produktionsweisen oder ein anderes Bewusstsein bezüglich materieller Ressourcen. Projekte Solidarischer Ökonomie bilden auf verschiedenen Ebenen einerseits Experimentierfelder und haben andererseits Modellcharakter. Daraus erwächst das Potential, eine wichtige Grundlage zur Durchsetzung umfassenderer Regulierungen und Rechte zu bilden. Sie zeigen unwiderlegbar – sofern erfolgreich - , dass Alternativen machbar sind.

Vom Süden Lernen?
Offensichtlich gibt es in Ländern des globalen Südens mehr Nischen für Solidarische Ökonomie als in westlichen Industrieländern. Arbeitslosigkeit ist oft ein noch viel grassierenderes Phänomen und Lohnniveaus sind mehr als niedrig. Nicht selten besteht keine andere Wahl als die direkte Selbstorganisation, um die dringendsten Bedarfe selbst zu decken, derweil soziale Sicherungssysteme nur spärlich ausgebaut sind. Grundsätzlich bestehen mehr Versorgungslücken, die Ökonomien sind weniger‚ gesättigt’. Daneben gibt es ungenutztes Land, allerdings mit abnehmender Tendenz, nicht zuletzt weil der Anbau von Biokraftstoffen eine neue lukrative Landnutzungsmöglichkeit darstellt.

...und persönliche Entwicklungs-Chancen durch Bildungsprozesse

Solidarisches Wirtschaften ermöglicht und erfordert das Lernen von Selbstorganisation und guter Zusammenarbeit. Kaum eines der Beispiele kommt ohne interne formelle oder informelle Bildungsprozesse oder die Förderung von speziellen Bildungsprojekten wie Schulen oder Ausbildungsgängen aus. Oft bestehen sogar Kontakte zu Hochschulen. Auch hieraus ergibt sich ein beachtliches Innovationspotential. Ausbildung, Fortbildung und Information bilden seit jeher eine wichtige Grundlage für solidarische und soziale Ökonomie.

Solidarische Ökonomie macht glücklich.

Leben und Arbeiten in Projekten Solidarischer Ökonomie stärkt das Gefühl sozialer Verbundenheit und fördert Selbst- und Mitbestimmung. Dabei mindert es die Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut, da die Beteiligten selbst Handelnde sind, anstelle von passivem Ausgeliefertsein. Probleme werden gemeinsam angegangen, Erfolge gemeinsam gefeiert.